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Sorgen im Bezug auf BYOD

Erstens, die zusätzliche Installation von Steckdosen ist schon mal für die meisten Schulen ein Problem.

Auch wenn es im offiziellen Interview keiner zugeben will, aber die Ängste reichen von den hohen Kosten für den Elektriker (und die vorherige verpflichtende mühsame Ausschreibung) über die Unklarheit, wie viel und ob man das überhaupt braucht (oder ob nicht ein paar Verteilerstecker auch genügen) bis zum höheren Stromverbrauch, der ja so nicht budgetiert war.

Zweitens: Problem WLAN. Ich spreche jetzt noch nicht davon, dass in denkmalgeschützten Schulen die Einrichtung von WLAN mit einem höheren Aufwand verbunden ist, oder in größeren Schulen dementsprechend mehr Access Points geschaffen werden müssen oder die Anzahl der Schüler, die eventuell alle gleichzeitig im Netz hängend selbiges überlasten. Nein, ich spreche von der unglaublichen Panik, die bei vielen Lehrern, Direktoren und vor allem Eltern aufkommt, wenn sie das Wort WLAN hören. Ich führte unzählige Diskussionen zu diesem Thema und versuchte alle beteiligten Personen davon zu überzeugen, dass WLAN letztlich nicht gesundheitsschädlicher ist als Radiowellen. Zugegeben, ich kann nur den aktuellen Stand der Forschung wiedergeben (und bei Zigaretten dachte man in den 40er Jahren ja auch noch nicht, dass sie Lungenkrebs verursachen) und der Vergleich mit Radiowellen hat mir auch nicht immer geholfen, wird doch bei verängstigten Personen prinzipiell nur das schlechte, das sie hören wollen, gehört. Demnach wurde es sofort mit Mikrowellen (!!!) verglichen.

Drittes und größtes Problem, die inhomogene Landschaft an Endgeräten. Der Fachhandel rieb sich schon die Hände und sah Heerscharen von Eltern zu Schulbeginn in die Läden stürmen, um dem Sprössling einen neuen Laptop zu kaufen. Dieser Effekt blieb (überraschenderweise) aus. Warum das so nicht passierte bleibt nun der Fantasie jedes Einzelnen überlassen, aber man kann annehmen, dass zum einen Prinzipienreiterei („Dafür muss die Schule sorgen, nicht wir!“), zum anderen die Knappheit in so vielen Haushaltsbudgets verantwortlich war. Die Folge war eine inhomogene Landschaft in Österreichs Schulklassen, die vom topaktuellen Obstkisterl- Notebook bis zum 10 Jahre alten und von den älteren Geschwistern übernommenen Notebook reichen. Von den unterschiedlichen Betriebssystemen die damit einher ziehen brauche ich nicht zu sprechen. Ein Albtraum für jeden Systemadministrator diese Landschaft in ein Netzwerk einzubinden! Dazu kommen die üblichen in Schulen mehr oder weniger ausgeprägten Klassenkämpfe in Bezug auf die Marke der Geräte.

Andere Probleme, wie die unmögliche Kontrollierbarkeit der Schüler (wer surft wo grad herum), unterschiedliche Formate der Hausübung sowie der unterschiedliche Wissensstand im Umgang mit den Geräten (Anmerkung: die Digital Native Generation ist ein Mythos) erschweren das Vorhaben um ein Weiteres.

Darum stelle ich die provokante Frage, die kein Händler und kein Hersteller stellen will: Wie viel Mobilität braucht eine Schule? Oder anders gefragt, muss wirklich jeder Schüler einen Laptop haben?

In Europa stellen sich bereits mehrere Schulen diese Frage, und in Zeiten von geburtenschwachen Jahrgängen und teuren Schulzubauten stehen wieder Klassen leer. Man beginnt bereits wieder reine PC Klassen einzurichten. Die Vorteile liegen auf der Hand: einheitlicher Standard der IT, Kontrolle über die Schüler bzw ihre Arbeitsweise, entlastetes Budget der Elternhaushalte und soziale Gleichheit (soweit sich diese nicht über das Smartphone schon anderweitig definiert hat). Aber, wo Licht, da auch Schatten: das Budget der Schulen entlastet dieser Schritt natürlich ganz und gar nicht. Fachhandel und Hersteller wäre trotzdem glücklich, denn dies würde ja einen vermehrten Ankauf von neuen Geräten bedeuten. Die Zeiten, wo lokale Ämter oder Banken als gut gemeinte Aktion alte 386er PCs herschenkten sich nämlich Gottseidank vorbei.


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